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Hobby – Fußball spielen, Frauen -und Mädchenfußball im Kreis Tecklenburg

Ein Versuch, den Frauen -und Mädchenfußball im Kreis Tecklenburg am Beispiel Melanie Ott, Lina Jäger und Adea Nagavci zu beschreiben

Frauen können Fußball spielen…

 

…vielleicht sogar besser als Männer – nein natürlich nicht, aber auch nicht schlechter! Denn Frauenfußball muss man getrennt vom Männerfußball betrachten, um ihn objektiv beurteilen zu können. Bis etwa zur C-Jugend unterscheidet sich die Anatomie bei den Geschlechtern noch nicht so wesentlich voneinander. Körperbau und Muskulatur sind noch in einem ausgewogenen Verhältnis. In der F-D Jugend können Mädchen problemlos mit ihren gleichaltrigen männlichen Mannschaftskameraden mithalten. Ab etwa der C-Jugend schaffen das nur sehr talentierte Mädchen und wenn der Junge zum Mann und das Mädchen zur Frau werden, wird auch der Unterschied im Körperbau zunehmend gravierender. Spätestens ab diesem Zeitpunkt muss man den weiblichen und männlichen Fußball getrennt voneinander sehen und sehr viel differenzierter bewerten. Wer das tut, hat eine große Chance, den Frauenfußball genauso zu mögen, wie den Männerfußball. Allerdings muss parallel auch im Kopf das Klischeedenken abgeschafft werden.

Klischees abschaffen – Diskriminierung nein Danke!

 Frauen sollten lieber…, den Rest spare ich mir! Und wer behauptet, das eine Regionalliga-Frauenmannschaft es mal gerade mit einer Herren Kreisliga B Mannschaft aufnehmen kann, der hat immer noch nicht begriffen, worum es eigentlich geht und auch nicht viel Ahnung vom Fußball. Und um mal bei uns im (Fußball) Kreis zu bleiben – Das Frauen-DFB-Pokalspiel zwischen DJK Arminia Ibbenbüren und Bayern München haben 2500 Zuschauer verfolgt – ja, Bayern München! Die Männer sind ja schon froh, wenn mal die VFL-Allstars zu Besuch sind oder der VFL Osnabrück zu einem Testspiel aufs „Land“ kommt. Aber ich kann uns Männer beruhigen, auch der Kreisligafußball im Männerbereich hat was – zumindest können wir hier ungestört unsere Bratwurst essen und ein Pils dazu genießen 😉

Erfolgreicher Fußball stärkt das Selbstbewustsein

Mit Melani Ott, Lina Jäger und Adea Nagavci habe ich mich letztens in Lotte bei Hakki im Soave mit drei jungen Frauen getroffen, die einiges gemeinsam haben und diesem Klischee die kalte Schulter zeigen. Wenn sie die Fußballschuhe geschnürt und das Trikot übergestreift haben, ist kein Ball mehr vor ihnen sicher und die erste Gemeinsamkeit der jungen Frauen ist, das Fußballspielen haben sie in Lotte bei den Sportfreunden gelernt. Ausgerechnet in einem Verein, der gar kein Mädchen- oder Frauenfußball anbietet. Aber wie schon eingangs gesagt, das macht ja in den ersten Jahren einer Frauen-Fußballkarriere nichts, der Ball ist rund und gehört in des Gegners Tor. Das begreifen die Mädels mindestens genauso gut wie die Jungs.

Melanie Ott, mit ihren 21 Jahren die älteste der drei Mädels, hat sicherlich für die jüngeren zwei B Mädchen Adea und Lina schon so etwas wie eine Vorbildfunktion, zumindest für Adea Nagavci, die jetzt erst in die Niedersachsenliga wechselt und vorher bei Eintracht Mettingen in der Kreisliga A gespielt hat. Die beiden Familien sind schon seit Jahren befreundet, nicht zuletzt durch den Fußball. Die älteren Brüder von Melanie und Adea, Thomas Ott und Andy Nagavci spielen auch im Fußballkreis Tecklenburg im Herrenbereich Fußball in der Kreisliga. Linas älterer Bruder Ole spielt bei den Sportfreunden in der U19.

Fußball als Chance

Die zweite Gemeinsamkeit der jungen Frauen ist sehr bezeichnend für talentierte Mädchen/Frauen, sie haben sich alle drei dazu entschieden, auszuschöpfen, was der Fußball ihnen zu bieten hat. Und das sieht im Moment noch sehr unterschiedlich bei den Mädels aus. Melanie hat da sicherlich nach ihrer Bilderbuchkariere die konkretesten Vorstellungen, sie ist es auch, die schon sehr fest mit ihren Beinen im Leben steht, hat sie doch schon fast alles durch in ihrem Fußballerleben. Mit 14 Jahren mit dem westfälischen Fußballverband nach Südafrika, kurz vor der WM 2010, ein Jahr später ihr U15 Länderspiel-Debüt in Brühl gegen Schottland, in dem sie ihr erstes Tor schoss, dann B Junioren Bundesliga in Gütersloh und aktuell in der zweiten Bundesliga im selben Verein. Und sie möchte nach ihrer Lehre zur Kauffrau für Büromanagement in die 1.Bundesliga, vorzugsweise nach Leverkusen oder Essen. Sie möchte nicht so weit von ihrem Freund entfernt sein, der geschäftlich in Kamen bei Dortmund eingespannt ist. Das Melanie nicht mehr das kleine Mädchen aus Lotte, sondern eine junge, im Leben stehende Frau geworden ist, belegt auch die Tatsache, dass sie ihren Freund im nächsten Jahr zum Standesamt führen will.

Linas Karriere ist nicht ganz so aufregend wie Melanies, aber nicht weniger erfolgreich. Nicht zuletzt als Torschützenkönigin der Regionalliga West ist man mittlerweile schon (fast) bundesweit auf Lina aufmerksam geworden. Die eher schüchtern wirkende 16-jährige weiß aber ziemlich genau, was sie will. Im Moment fühlt sie sich noch sehr wohl bei Arminia Ibbenbüren, wo schon seit drei Jahren U17 Regionalliga-Fußball angeboten wird und sie maßgeblichen Erfolg daran hatte. Sehr großes Vertrauen hat sie zu ihrem Trainer Birger Röber gehabt, der zur neuen Saison aber in den Herrenbereich nach Mettingen wechselt. Mit Katharina Eiter bleibt aber ihr und der Mannschaft die Kotrainerin erhalten und mit Ina Stehrmann stößt auch noch eine bekannte und erfolgreiche Trainerin aus dem Verein dazu. Zusätzlich ist sie mit ihren Mannschaftskolleginnen Judith Höfting, Pauline Watta und Sophia Rieke in die Westfalenauswahl gewählt worden und geht nun in ihre dritte Regionalligasaison. Nach der Frage, ob sie nicht höher spielen will, antwortet sie schnell und klar: „Nein, im Moment ist mir die Schule und der Abschluss wichtiger. Eventuell kann ich mir vorstellen, nach der U17 in Hauenhorst in der Frauen-Regionalliga zu spielen. Dort könnte ich noch mit dem Zug hinfahren, dass ist südlich von Rheine, also absolut machbar.“ Klare Vorstellungen also, die ihr auch die Möglichkeit bieten, höher Fußball zu spielen, aber den schulischen Werdegang in den Fokus rücken.

Das „Küken“ in dem Trio, die 15-jährige Adea Nagavci, hat ihre Karriere noch vor sich und nun die Möglichkeit bekommen, beim Osnabrücker SC in die Niedersachsenliga zu wechseln. Auffällig wurde sie im letzten halben Jahr in Mettingen. Dort merkte man schnell, dass sie sehr viel Talent besitzt und in vielen Spielen den Unterschied zu den anderen Mannschaften machte. Im letzten Spiel der Saison besiegte man den späteren Aufsteiger Teuto Riesenbeck mit 4:0. Adea war an diesem Sieg maßgeblich beteiligt. Der Sprung in die Niedersachsenliga ist natürlich sehr groß, aber dem ehrgeizigen, selbstbewussten Mädchen ist das durchaus zuzutrauen. OSC Trainer Lucas Vosskuhl sagte zum Transfer: „Niemand hatte das Mädchen aus Lotte auf dem Schirm, sie ist technisch und am Ball sehr stark und wird unsere Offensive noch unberechenbarer machen.“ Mit diesen Vorschusslorbeeren wird Adea sicherlich gut umgehen können. Natürlich hätte man es lieber gesehen, wenn so ein Juwel im Fußballkreis geblieben wäre. Auch Trainer Birger Röber hätte sie in die Regionalligamannschaft aufgenommen. Vielleicht aber der bessere Weg über die Niedersachsenliga weitere Spielpraxis zu erlangen. Denn auf der Bank sitzen ist nichts für Adea!

Hier noch einmal die Eckdaten der drei Mädchen in Kurzform:

Melanie Ott

2003-2012 Ausbildung in Lotte durch alle Jugendjahrgänge, 2012-2018 FSV Gütersloh 2009 (2. Bundesliga), will nach ihrer Ausbildung in die 1. Bundesliga (vorzugsweise Leverkusen oder Essen), ihre wichtigsten Bezugspersonen in ihrer Jugend waren ihre Mutter, ihr damaliges Trainerteam Ralf Jarczyk, Christian Rinas und seine Frau und ihr ehemaliger Mitspieler Michel Rinas. Melanies Hobbys sind Fußball, mit Freunden zusammen sein, ihre Mutter besuchen. Viel Freizeit bleibt ihr nicht zwischen Job und Fußball. Melanie hat einen älteren Bruder und eine kleine Schwester

Lina Jäger

2007-2015 Ausbildung in Lotte bis zur C-Jugend, 2015-2018 DJK Arminia Ibbenbüren. Lina bleibt in der U17 noch bei der Arminia und kann sich vorstellen, nach der Jugendspielzeit nach Hauenhorst in die Frauen-Regionalliga zu wechseln. Zunächst will sie aber ihren Schulabschluss unter Dach und Fach bringen, das hat bei ihr den höchsten Stellenwert. Als ihren Trainer, bei dem sie in der frühen Jugend viel gelernt hat, nennt sie Jens Kluge, damals bei den Sportfreunden Lotte. Ihr größter Förderer ist aber ihr Regionalliga-Trainer Birger Röber gewesen. Lina pflegt neben Schule und Fußball am liebsten ihre Freundschaften. Lina hat einen 17-jährigen Bruder und eine 12-jährige Schwester

Adea Nagavci

2007-2016 Sportfreunde Lotte. Nach einer kurzen fußballerischen Pause im letzten Jahr für Eintracht Mettingen gespielt. Ab Saison 2018/2019 Osnabrücker SC (U17 Juniorinnen). Adea möchte in der Niedersachsenliga Fuß fassen und sehen, was passiert. Ihre Familie, die albanischer Herkunft ist, ist ihr neben Schule und Fußball das wichtigste. Vorstellen kann sich die 15-jährige eine Ausbildung zur Fitnesskauffrau. Adea hat noch drei Schwestern und einen Bruder.

Frauenfußball liegt mir am Herzen

Seit ein paar Jahren beobachte und begleite ich den Mädchen -und Frauenfußball im Kreis und habe ihn sehr schätzen gelernt. Mit vielen Mädchen und Frauen hatte ich tolle Gespräche und bekam im Laufe der Zeit immer mehr das Gefühl, auf den Plätzen auch gerne gesehen und anerkannt zu sein. Anfangs waren die Mannschaften oft skeptisch, plötzlich so viel Aufmerksamkeit zu bekommen, denn oft spielen sie völlig zu Unrecht im Verborgenen, ohne die verdiente Aufmerksamkeit zu bekommen, auf den B- oder C Plätzen der Vereine. Nicht alle Vereine, bei einigen Vereinen ist der Stellenwert des Mädchen- und Frauenfußballs schon recht hoch angesiedelt und das spiegelt sich auch gleich und sehr oft im Erfolg der Mannschaften wieder. Aushängeschild und renommiertester Verein im Tecklenburger Land in Sachen Frauenfußball ist DJK Arminia Ibbenbüren. Die Frauen spielen dort mit ihrer ersten Mannschaft in der Westfalenliga und selbst die zweite Mannschaft spielt noch in der Landesliga. Die U17 Mädchen spielen in der Regionalliga den höchsten Juniorenfußball im Kreis.

Landesliga-Fußball wird im Seniorenbereich aber auch in Brochterbeck und Riesenbeck gespielt. Allerdings fehlt in Brochterbeck der Unterbau in der Jugend, den hat Riesenbeck aber zu bieten; sind doch die U17 Mädchen gerade in dieser Saison in die Bezirksliga aufgestiegen. Zudem wird auch Bezirksligafußball in Recke, Hopsten und Esch angeboten und gespielt. Zusätzlich bieten auch einige Vereine in unserem Fußballkreis Frauenfußball in der Kreisliga an.

Interesse geweckt?

Erfolgreicher Juniorinnen-Fußball wird im Fußballkreis 31 Tecklenburg auch in vielen Vereinen gespielt und angeboten. Hervorzuheben sind hier insbesondere JSG Recke/Steinbeck, JSG GW Lengerich/Preußen Lengerich, Westfalia Hopsten, Eintracht Mettingen, JSG Dreierwalde/Hörstel, Teuto Riesenbeck, JSG Bevergern/Rodde, Falke Saerbeck, VFL Ladbergen und sicherlich auch Arminia Ibbenbüren.

Interessierte können sich auf den Seiten des FLVW-Fußballkreis 31 Tecklenburg umfassend informieren. fussballkreis-tecklenburg.de