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Große Chance zur Aufpolierung des guten Rufes verpasst!

Die Sportfreunde trennen sich von Trainer Raphael Palm

Die Nachricht von der Entlassung erfuhr Palm auf der Fahrt in den Urlaub erst am späten Donnerstag Abend, auch die Mannschaft wurde erst sehr spät informiert

Von einer einvernehmlichen Trennung kann immer dann gesprochen werden, wenn beide Parteien einem sogenannten Aufhebungsvertrag zustimmen (arbeitsrechtlich), das hätte im Falle Sportfreunde Lotte vs Raphael Palm Bestand haben können, wenn beide Parteien den Termin der Trennung am 31.05.2020 (Saisonende) ins Auge gefasst hätten. Für Palm war das eigentlich klar, seinen Vertrag einzuhalten und bis zum Saisonende alles zu geben. In dem Fall hätte es nicht mal einvernehmlich sein müssen, da der Vertrag zwischen Palm und den Sportfreunden eh geendet hätte. Man hätte dann einen neuen Vertrag verhandeln müssen und dazu hatte Palm dem Vorstand bereits im Dezember 2019 ein neues Konzept, einen „Plan B“ im Falle des Nichtaufstiegs unterbreitet. Diesem Plan hatten die Sportfreunde nach längerer Bedenkzeit inhaltlich nicht zugestimmt (der Inhalt ist bekannt), bzw. zustimmen können und somit hatte man sich darauf verständigt, die Zusammenarbeit zum Saisonende zu beenden – einvernehmlich, wie es die Sportfreunde auf ihren Homepage ausdrückten.  Mit der Arbeit von Raphael Palm war man sowieso zufrieden und bescheinigte ihm das auch ausdrücklich, also stand der Beendigung des Arbeitsverhältnisses zum Saisonende nichts im Wege und man hätte im Guten, respektvoll auseinander gehen können, das wäre die gängige Praxis gewesen. Aber warum geht das jetzt plötzlich nicht mehr im Einvernehmen?

Nach dem sich herauskristallisiert hatte, dass Raphael Palm die Sportfreunde Lotte zum Saisonende auf jeden Fall verlassen werde, wurde für die Sportfreunde die Suche nach einem Nachfolger in den Vordergrund gerückt, und dieser auch mit dem freien Trainer Robert Borgelt schnell gefunden. Borgelt hatte natürlich sofort Zeit, in die Bresche zu springen, er war bis Dezember 2019 beim Bezirksligisten SC Glandorf tätig und in der Lage, das Traineramt sofort zu übernehmen. Die Sportfreunde in Person von Fußballobmann Gerrit Budke-Gieseking und dem 3. Vorsitzenden Sven Westerhus hielten diese Option im Hinblick auf die Restrunde und die bevorstehende Vorbereitung auf die neue Saison für die beste Lösung, sie widersprach nur dem von Palm anvisierten Termin der Trennung.

Allein die Art und Weise der sofortigen Trennung wirft ein diffuses, undurchsichtiges Licht auf die Sportfreunde. Raphael Palm bat die Verantwortlichen des Vereins, ihm bis Mittwoch, den 22.01.2020 mitzuteilen, ob sie seinem Wunsch, die Zusammenarbeit mit ihm bis zum Saisonende fortzusetzen oder ihn zu einem früheren Zeitpunkt zu kündigen erwägen würden. Statt dessen teilte man ihm die Entscheidung der sofortigen Entlassung während der Fahrt zu seinem Urlaubsort einen Tag später mit. Für Palm war das wie ein Schlag ins Gesicht und bereits am Freitag, den 24.01. wurde Borgelt der ebenfalls bis zu dem Donnerstag im Unklaren gelassenen Mannschaft vorgestellt. Palm, der bis zum 31.01.2020 in Österreich weilt, hatte nicht einmal die Chance, sich jetzt von seiner Mannschaft zu verabschieden und muss das nun nachholen, wenn er aus dem Urlaub zurückgekehrt ist. Über die Regelung der restlichen Modalitäten will sich der Verein mit Palm nach seiner Rückkehr noch einmal zusammensetzen. 

So sollte man nicht mit jemanden umgehen, dem man im gleichen Atemzug große Verdienste bescheinigt, da hätte der Verein endlich mal über seinen eigenen Schatten springen können und für ein würdigeres Ende der erfolgreichen Trainertätigkeit Palms sorgen können. Ganz nebenbei hätte man da auch mal etwas für die Image-Aufpolierung tun können!

Das alles soll letztendlich nicht den Eindruck erwecken, die Sportfreunde hätten alles falsch gemacht, im Gegenteil, die Beweggründe, Robert Borgelt sofort als Trainer zu installieren, sind unter den gegebenen Umständen sogar schlüssig, wenngleich auch Palm versichert hat, das Ziel Aufstieg weiter zu verfolgen. Allerdings hätte Palm sicherlich nicht so konsequent die Vorbereitungen auf die neue Saison vorantreiben können, wie das nun der neue Trainer, der über die Saison bei den Sportfreunden bleibt, tun kann, hörte man aus den Stellungnahmen des Vereins heraus und das ist sicherlich nicht ganz von der Hand zu weisen. Am Ende bleibt beiden Parteien nur noch die Chance, im letzten Gespräch für beide Seiten eine zufriedenstellende Trennung zu vollziehen, um der Einvernehmlichkeit wieder etwas näher zu kommen und den gegenseitigen Ruf zu wahren. Wünschenswert wäre trotz aller Differenzen erhobenen Hauptes ein Handschlag am Ende – wenn das noch geht.