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Ausgebremst – was mach Corona mit unserer Jugend?

Schwerpunktthema bei Rolfinaction

Ausgebremst – was macht Corona mit unserer Jugend?

Ein Bericht von:

Pia-Laura, Lea, Hannah, Lara, Thies und Jan Eric

 

Der Hintergrund

In Deutschland gibt es circa 3,1 Millionen Jugendliche zwischen dem 15. und 18. Lebensjahr und weitere 11,4 Millionen Kinder und Jugendliche zwischen 0 und 14 Jahren. Das sind insgesamt 14,5 Millionen Menschen. Gemessen an der gesamten Bevölkerung sind das 18.1 % aller in Deutschland lebenden Menschen. Jedes Jahr kommen etwa 800.000 Neugeborene dazu.

Die Politiker müssen nun Maßnahmen ergreifen, um die Corona-Pandemie einigermaßen in den Griff zu bekommen, dazu werden tiefgreifende Gesetze und Verordnungen geschaffen und erlassen, denen die Menschen überall im Land mit gemischten Gefühlen gegenüberstehen und dieses Handeln verschieden bewerten.

Wie stehen unsere Jugendlichen im Fußballkreis 31 Tecklenburg dazu und was bewegt sie in dieser Zeit am meisten? Rolfinaction ist dieser Frage nachgegangen und hat einige ältere Juniorenspieler aus verschiedenen Mannschaften befragt! Sie sind diejenigen, die kurz vor Erreichen des Seniorenalters stehen und sicherlich auch eine Vorbildfunktion für die jüngeren Jahrgänge darstellen. Ihre Meinungen spiegeln sicherlich einen Großteil der Ansichten wider, die diese Altersgruppe vertritt. Für uns Erwachsene und Entscheidungsträger heißt es also, genau hinzuhören, was uns unsere Jugend zu erzählen hat und das in unser Handeln mit einfließen zu lassen!

Das Ergebnis ist genauso erstaunlich wie verblüffend! Unglaublich, mit welchem Hintergrundwissen und vor allem mit welcher Solidarität sich unsere 15-18-jährigen dieser Problematik stellen. Klare Vorstellungen, vor allem auch was die Zukunft betrifft, wird untereinander thematisiert und diskutiert. Sicherlich gibt es auch unter den Jugendlichen einige „Coronaleugner“, diese konnte ich aber bei meiner Recherche und Befragung nicht ausmachen. Acht Fragen, auf die ich größtenteils sehr ausführliche Antworten erhalten habe, liegen diesem Bericht zugrunde. Aufgrund der Tatsache, dass ich diese kompetenten und teils sehr emotionalen Antworten nicht aus ihrem Zusammenhang reißen wollte, habe ich mich dazu entschlossen, die Antworten in wörtlicher Rede widerzugeben, ohne sie zu verändern!

In diesem Zusammenhang möchte ich mich auch bei den Trainern der Befragten bedanken (Birger Röber, Johannes Müller und Raphael Palm), die mir bei der Kontaktaufnahme zu den Spielerinnen/Spielern sehr geholfen haben. 

 

Die Befragten:

Pia-Laura Wisnewski, Arminia Ibbenbüren (U17 Mädchen Bundesliga)

Lea Sophie Rüskamp, Arminia Ibbenbüren (U17 Mädchen Bundesliga)

Hannah Ottenhus, TuS Recke (U17 Mädchen Westfalenliga)

Lara Wolf, TuS Recke (U17 Mädchen Westfalenliga)

Thies Schäper, ISV (U19 Bezirksliga)

Jan-Eric Frehe, ISV (U19 Bezirksliga)

 

Die Antworten zu den Fragen:

Frage 1
Was geht euch bei den Beschränkungen im Zuge der Pandemie am meisten auf die Nerven, bzw. belastet euch am meisten?

Pia-Laura: „Die Tatsache, dass wir nicht trainieren dürfen ist der Horror!!! Das nervt mich am meisten. Mit der Mannschaft zu trainieren ist so viel besser, als sich individuell fit zu halten.“

Lea: „Mir geht am meisten in dem Sinne auf die Nerven, dass wir keinen Sport in Kleingruppen und mit Abstand in festgelegten und gleichbleibenden Gruppen ausüben dürfen, wir aber mit 30 verschiedenen Haushalten in der Schule sitzen und auch Sportunterricht haben. Also das soll jetzt nicht heißen, dass ich nicht dankbar bin, dass die Schulen offen bleiben, vor allem wenn man an die Schüler, die in entscheidenden Jahrgängen sind, oder auch an die zum Teil fehlende digitale Ausstattung der Schüler oder an die fehlende Unterstützung von den Lehrkräften denkt. Dennoch hätte man auch an die außerschulische sportlichen Aktivitäten der Menschen, vor allem der Kinder und Jugendlichen, für die Sport im Verein meistens ein nötiger Ausgleich zum Alltag , aber auch ein wichtiger Treffpunkt mit Freunden ist, denken sollen. Durch betreiben von Sport wird die Gesundheit der Kinder und Jugendlichen gestärkt, aber sie werden auch von sozialen Medien und den Spielkonsolen für mehrere Stunden in der Woche ferngehalten, was allen beteiligen guttun würde.“

Jan-Eric: „Aktuell, dass die Gemeinschaft und das „miteinander“ fehlt. Am meisten fehlt aber die frische Luft unter den Masken. Ich würde gerne wieder flexiblere Möglichkeiten haben mich mit Freunden zu beschäftigen, besonders das auswärtige Essen gehen.“

Thies: „Am meisten nervt natürlich, dass der Fußball und die Fitnessstudios momentan komplett eingestellt sind. Aber auch außerhalb des Sports fehlen auf jeden Fall die sozialen Kontakte, welche man noch außerhalb der Schule gepflegt hat.“

Lara: „…das man die Freunde kaum sieht, das ständige tragen von Masken und das man kaum bis gar nichts unternehmen kann.“

Hannah: „Meiner Meinung nach fehlt der Ausgleich zur Schule. Man steht morgens auf, um der Schulpflicht nach zu gehen und kommt um 4 Uhr wieder und kann sich mit Hausaufgaben beschäftigen. Sonst konnte man seine ganze restliche Energie noch beim Training oder anderen Aktivitäten verbrauchen. Auch am Wochenende, wo man eigentlich an alles andere als an Schule denken sollte, können fast auch nur noch die Schule und wie lange es noch so weiter gehen soll, die einzigen Gedanken sein.“

 

Frage 2
Wie steht ihr zu den von der Politik erlassenen Beschränkungen?

Pia-Laura: „Im Grunde genommen finde ich die Beschränkungen gut und wichtig. Allerdings ist es echt paradox, wenn man zum Beispiel sieht, wie andere sich zu sechst oder mit noch mehr Personen trotzdem noch treffen und in geschlossenen Räumen Party machen, während wir kein Training im Freien und unter Einhaltung der Hygieneregeln machen dürfen. Und genau wegen solchen Dingen steigen die Zahlen trotzdem, es gibt viele, die sich einfach nicht daran halten und die Beschränkungen nicht ernst nehmen. Leider haben dann meistens die, die sich daran halten, einen Nachteil durch die Beschränkungen.“

Lea: „Also ich finde die Beschränkungen allgemein eigentlich gut, denn würden keine Beschränkungen existieren, würde die Corona Lage in Deutschland ganz anders aussehen und es würden bestimmt schon mehrere tausend Tote und Infizierte geben, welche man nicht mit den aktuellen Zahlen vergleichen könnte. Ich finde es, wie bereits geschrieben, gut, dass weiterhin die Schulen offen sind.
Ich stehe vor allem beim Sport, wie oben bereits angedeutet, kritisch gegenüber. Zwar finde ich es verständlich, dass wir keine Spiele mehr spielen dürfen und dass nur noch die Profiligen spielen, aber ich finde es den Frauen vor allem gegenüber unfair, dass selbst noch die 4. Liga der Herren (Regionalliga) spielen darf, aber nicht mal die 2. Bundesliga der Frauen. Da frage ich mich halt ,,Warum?!“. Die Frauen spielen von den Ligen gesehen ein höheres Niveau als die Mannschaften der Regionalliga, aber diese dürfen trotzdem nicht spielen. Jedoch finde ich es vor allem uns gegenüber fair, dass dann in dem Sinne die Junioren Bundeliga auch nicht spielen darf.“

Jan-Eric: „In meinen Augen ist die Politik ein wenig paradox, ich kann aber verstehen, dass die Schulen weiterhin geöffnet bleiben, da ich als frischer Abiturient während des ersten Lockdowns meine Abiturprüfungen auch unter diesen Umständen schreiben musste und der Präsenzunterricht von Vorteil für die Abiturvorbereitung ist. Ansonsten bin ich zufrieden, wie es in Deutschland läuft! Die Maßnahmen sind für mich alltäglich geworden und weniger ein Problem.“

Thies: „Natürlich sind die Beschränkung nervig und nehmen uns viele wichtige Dinge. Trotzdem ist die Gesundheit am wichtigsten, deswegen können wir das gut nachvollziehen und akzeptieren. Aber manchmal fragt man sich schon, wieso man nicht wenigstens mit Abstand trainieren darf, wie es beim ersten Lockdown der Fall war, weil sich dort ja nachverfolgbar immer die Gleichen treffen und es zudem draußen stattfinden würde.“

Lara: „Zum größten Teil finde ich die Beschränkungen richtig, dennoch verstehe ich nicht warum Sportarten, die an der frischen Luft ausgeübt werden und man größten Teils den Abstand einhalten kann, verboten werden und die Schulen offen bleiben, obwohl man den Abstand kaum einhalten kann und zudem noch unverständlicher, dass der Sportunterricht nur in einem Drittel der Halle ausgeführt wird.“

Hannah: „Einerseits toleriere ich diese, da so die Infektionsketten verkürzt werden, jedoch ist es mir unverständlich, wieso die Schulen geöffnet sind. Man sollte abwechselnd Präsenz- und Onlineunterricht geben, da Lüften und Masken nicht eine vollkommene Lösung ergeben.“

 

Frage 3
Wie schwer fällt es euch, im Moment kein Fußball spielen zu können und nur wenig Kontakte zu euren Mitspielern zu haben?

Pia-Laura: „Das ist das, was ich am schlimmsten finde, in den Coronazeiten…! Ich will mich fußballerisch weiterentwickeln und zusammen macht das deutlich mehr Spaß als alleine. Ich liebe es, Fußball zu spielen und ich vermisse es unglaublich, mit der Mannschaft auf dem Platz zu stehen…(und das sage ich jetzt wirklich nicht, weil das im Internet steht!!) zum Fußball gehört immer auch die Mannschaft und ich habe das Glück, mit einer super Mannschaft auf dem Platz stehen zu können!! Wie wir uns entwickelt haben ist unglaublich, sowohl spielerisch als auch hinsichtlich des Mannschaftszusammenhalts, die Mentalität, die wir beim Spiel gegen Issel gezeigt haben, ist der Wahnsinn und ich bin davon überzeugt, dass wir noch viel erreichen werden in dieser Saison. Man muss nur immer dran glauben, in jedem Spiel, in jeder Spielminute!!“

Lea: „Ich finde es sehr schwer, aktuell kein Fußball mehr spielen zu können, weil Fußball einen Großteil meines Lebens ausmacht und der Fußball mir immer einen Ausgleich zum Alltag schafft. Durch den Fußball vergesse ich den Alltagstress und erhalte Freiheit, das zu tun, was ich liebe. Es ist sehr schwer etwas nicht mehr auszuüben, was man liebt und was man seit seiner Kindheit (bei mir seitdem ich 3/4 Jahre alt bin) regelmäßig als Team betreibt.
Ich finde vor allem schade, dass man mit einigen kaum Kontakt mehr hat aus der Mannschaft. Klar schreibt man mal mit der ein oder anderen oder telefoniert mit diesen, aber man kann nicht mehr diesen persönlichen Austausch führen, der viel wichtiger für einen Menschen ist, als eine Nachricht bei WhatsApp. Man sieht nicht mehr, wie Leute auf einen reagieren oder wie sie auf eine Nachricht reagieren, was auch vieles in den zwischenmenschlichen Beziehungen ausmacht.“

Jan-Eric: „Das Mannschaftsgefühl geht leider verloren. Es ist nicht dasselbe, ohne die Jungs zu trainieren. Der zweite Lockdown kam in einer Phase, als sich die Mannschaft gerade richtig zusammengefunden hat. Kontakte abseits vom Platz kann man dennoch durch wöchentlichen Austausch aufrechterhalten.“

Thies: „Das fällt mir sehr schwer, weil das Fußballtraining/-spiel immer das Highlight des Tages für mich war. Aber man versucht das Beste daraus zu machen. Einige Freunde vom Fußball trifft man in der Schule und durch das Handy hält man zusätzlich den Kontakt, wobei man das nicht mit richtigem Kontakt im realen Leben vergleichen kann. Außerdem mache ich noch zuhause und in der Schule Sport oder gehe zu zweit mit Freunden joggen.“

Lara:  „Es ist sehr schwer, die Sportart, die einem am meisten Spaß macht, und die man seit 11 Jahren fast täglich ausübt, jetzt über mehrere Wochen nicht mehr ausüben kann. Auch der Kontakt zu den Mitspielern fehlt auf jeden Fall, dennoch hat man zu den meisten Mitspielern über die Sozialen Medien Kontakt, und manche trifft man ab und zu in der Schule.“

Hannah: „Der Fußball fehlt in jeglicher Hinsicht. Der Sport bringt einen besonders jetzt in kälteren und bitteren Jahreszeiten zu positiveren Gedanken. Auch die sehr gute Mannschaftsverbindung, die wir uns in den letzten Monaten aufgebaut haben, wobei wir aus vielen verschiedenen vorherigen Vereinen zusammengestellt wurden, fehlt an vielen Stellen. Zum Glück konnten wir von unseren Trainingswochenende zwei Wochen vor dem Lockdown profitieren, bei dem jeder noch etwas mitnehmen konnte und auch der Zusammenhalt gestärkt worden ist.“

 

Frage 4
Was bieten euch die Trainer und Betreuer während des Lockdowns an und reicht euch das aus oder könnte es intensiver sein?

Pia-Laura: „Wir bekommen jede Woche einen Trainingsplan mit vier Einheiten, die Ausdauer-, Koordinations-, Athletik- und Techniktraining beinhalten. Es ist intensiv, das ist gut und wichtig! Ich persönlich finde es in der Woche manchmal schwierig, es in meinen Alltag zu integrieren, obwohl ich die lange Fahrt zum Training ja gar nicht mit einbeziehen muss. Es ist nur so, dass ich es gewohnt bin, von der Schule zu kommen, zu essen und ins Auto einzusteigen, um zum Training zu fahren. Mein Alltag hat sich jetzt durch das fehlende Training stark verändert und das bin ich nicht gewohnt, das merkt man schon.“

Lea: „Also, wir bekommen zu den Trainingstagen jeweils ein Programm, welches wir machen sollen. Diese Programme variieren zu jedem Trainingstag, sodass wir uns in jedem Bereich des Fußballspiels (Beispiel bei der Athletik oder Technik) schulen und verbessern können. Man kommt meistens auf 90 Minuten, wodurch man ein Training ersetzt, aber richtiges Training wäre besser, denn dort wird man von den Kolleginnen gepusht, noch mehr zu geben, als man es für möglich halt. Ich finde die Trainingspläne gut und manchmal stelle ich mich trotzdem nochmal in den Garten und feile nochmal für mich an meiner Technik, wodurch gelegentlich auch mal Wäschekörbe kaputt gehen.“

Jan-Eric: „Lauftraining und Videokonferenzen. Für mich persönlich reicht das Programm, da ich mich zum Glück an 7 Tagen in der Woche noch mithilfe meines Leistungssports (Leichtathletik) fit halten kann. Dort haben wir einen strikten Trainingsplan, da kommt es ganz gelegen, wenn man innerhalb der Einheiten vom Fußball etwas regenerieren kann.“

Thies: „Die Trainer bieten ehrlich gesagt nicht viel an. Am Anfang des Lockdowns mussten wir joggen gehen. Dann wollten wir zwar mal in kleinen Gruppen joggen gehen, aber zu diesem Zeitpunkt gab es Coronafälle an den Schulen, daher haben wir das dann doch nicht gemacht. Aber eigentlich finde ich das auch überhaupt nicht schlimm, weil alle, die sich fit halten möchten, selbst am besten planen können, wann sie was machen wollen.“

Lara: „Einmal in der Woche machen wir Online ein Workout und dies sollen wir dann selbstständig zweimal durchführen. Für jede Woche gibt es dann noch eine Laufübung und jeden Freitag gibt es eine Challenge (Beat-The-Coaches), bei der die Trainer eine Übung vormachen und wir Spieler müssen versuchen mehr Wiederholungen als die Trainer nachzumachen. Diese Übungen reichen auf jeden Fall aus.“

Hannah: „Das Training während des Lockdowns kommt nicht zu knapp. Direkt in der ersten Woche sind uns reichlich Übungen eingegangen. Gestartet hat dies mit einem gemeinsamen Krafttraining über eine soziale Plattform am Mittwoch. Danach waren Laufaufgaben und Krafttraining bis Dienstag selbstständig zu bewältigen. Auch die wöchentliche Runde „beat-the-coaches“ durfte freitags nicht fehlen. So ging es dann am Mittwoch, nachdem die technischen Probleme gelöst wurden, wieder mit einer neuen Woche weiter. Zwischendurch fand auch eine Aufgabe, die man gemeinsam als Team lösen musste, statt. Alles in allem kann man sagen, dass wir uns die Winterpause nach intensiven Wochen und auch den vorherigen Monaten sichtlich verdient haben.“

 

Frage 5
Habt ihr eigene Ideen, wie man diese Pandemie mit ihren Beschränkungen noch besser überstehen könnte?

Pia-Laura: „Ich finde es ist wichtig, sich an die Beschränkungen zu halten, dann sind die auch schneller wieder weg. Leider tun viele das ja nicht, aber dann braucht man sich auch nicht zu wundern, wenn die Zahlen weiter steigen und die Beschränkungen bleiben! Ich mache es gerne so, dass ich mich mit einer Freundin immer zum Spazieren gehen treffe. Da kriegt man den Kopf frei und hat jemanden zum Reden. Was ich schade finde ist, dass man oft ausgelacht oder schief angeguckt wird, wenn man die Regeln einhält, sich privat mit Maske trifft oder Abstand einhält…“

Lea: „Ich denke man sollte sich an die Regeln der Regierung halten und so wenig Menschen treffen, wie es geht. Man sollte diese Beschränkungen als Chance sehen, dass zu tun, wozu man normalerweise nicht kommt. Bei mir persönlich ist das aktuell der Führerschein.“

Jan-Eric: „Ich habe extrem viel in der Zeit gelesen und mich auf mich selbst fokussiert. Es gäbe kaum einen besseren Zeitpunkt, um sich selbst weiterzuentwickeln, als jetzt gerade. Deshalb ist mein Tipp: Zieht eure Vorteile aus der Pandemie und nutzt die Zeit mit euch selbst!“ 

Hannah: „Eigentlich gibt es nicht wirkliche Ideen dafür, da kaum etwas erlaubt ist. Man kann mit Freunden sich über die sozialen Plattformen die Wochenenden ein kleines Stückchen Realität werden lassen oder jetzt zur Adventszeit die Tage mit der Familie intensiv nutzen, aber die einfachste Lösung ist, sich an die Regeln zu halten und zu hoffen, dass sowohl der Fußball als auch alles andere im kommenden Jahr wieder ohne Komplikationen bestritten werden kann.“

 

Frage 6
Wie wichtig sind euch im Moment die sozialen Medien und können sie den fehlenden Kontakt ersetzen?

Pia-Laura: „Natürlich ist es völlig anders im Vergleich zu einem realen Gespräch, aber ich denke schon, dass die sozialen Medien den fehlenden Kontakt in gewissem Maße ersetzen können. Ich telefoniere oft mit anderen und durch Videoanrufe kann man sich ja auch sehen, das bringt viel. Der Kontakt über die Medien ist auf jeden Fall da!“

Lea: “ Also die sozialen Medien sind durch die Pandemie noch wichtiger geworden, um wenigstens etwas Kontakt zu anderen zu haben und auf den Stand der neuesten Neuigkeiten zu sein. Dennoch ersetzen sie nicht den fehlenden Kontakt, denn mit einigen schreibt man nicht viel und man sieht auch nie, wie die anderen auf die Nachrichten reagieren.“

Jan-Eric: „Der Austausch über soziale Medien ist natürlich wichtig und wir sind gerade auch ziemlich darauf angewiesen. Es ist logischerweise nicht dasselbe, als die Leute persönlich zu treffen. Aber es sitzen ja immer noch dieselben Personen hinter der Kamera, die man sonst auch sehen würde.“

Thies: „Für mich bieten die sozialen Medien zwar die Möglichkeit ein wenig in Kontakt zu bleiben, sind aber nicht ansatzweise ein Vergleich zu richtigem Kontakt. Außerdem bin ich sowieso eher weniger auf social Media unterwegs.“

Lara: „Einerseits ja, im Moment sind die sozialen Medien für mich sehr wichtig, da man dadurch etwas in Kontakt mit Freunden bleibt, die man jetzt nicht so jeden Tag in der Schule sieht
Nein, ersetzen nicht wirklich, aber man kann sich zumindest sehen und über Sachen austauschen die man im Alltag erlebt.“

Hannah: „Die sozialen Medien sind eine kleine Lösung für den Kontakt, es ist trotzdem nicht das gleiche, als sich im realen Leben zu treffen. Sie können einem helfen, sich nicht aus den Augen zu verlieren und sind vor allem zu dieser Zeit besonders wichtig, aber zugleich auch keineswegs vergleichbar mit dem Leben, was wir davor kannten.“

 

Frage 7
Partys, Konzerte, Open Airs, gemeinsame Urlaube, Beziehungen aufbauen, alles Dinge, die einen besser erwachsen werden lassen – wie kompensiert ihr diese eingeschränkten Möglichkeiten, ich stelle mir das in dieser Zeit sehr schwierig vor?

Pia-Laura: „Man hat ja trotzdem noch die Familie und ist auch schon in einer sozialen Umgebung (Schule, Freunde). Den Kontakt kann man auf jeden Fall halten und das unabhängig von Partys oder sonstigen Gemeinschaftsveranstaltungen. Vielleicht ist es sogar gut, um Freundschaften zu festigen, bzw. zu zeigen, ob die Freundschaft echt ist, dadurch dass man eine oberflächliche unechte Freundschaft nicht mehr überspielen kann, indem man Partys macht, ins Kino geht, usw.. Durch die Pandemie wird deutlich, wer wirklich deine Freunde sind und wer nicht.“

Lea: „Es ist kaum möglich diese Sachen zu ersetzen, denn vor allem als Jugendliche macht man viele Erfahrungen, die fürs weitere Leben wichtig sind. Die Jugendzeit ist eine Zeit des Ausprobierens und wenn diese zu kurz kommt, wirkt sich das auf das weiterer Leben aus. Ich war jetzt persönlich noch nicht wirklich auf Open Air Konzerten etc., aber mir fehlt das „Geburtstag feiern“ mit meinen Freunden sehr, aber das kann man in ferner Zukunft nachholen.“

Jan-Eric: „Ich bin generell weniger vertreten auf Partys oder ähnlichen großen Freizeitaktivitäten. Viel fehlt mir von daher nicht, aber manche Dinge wären einfach schöner, wenn man sie, wie ursprünglich, mit anderen Leuten erleben könnte.“

Thies: „Möglichkeiten gibt es da nicht. Ich habe aber an meinem Geburtstag die besten Freunde getrennt eingeladen und zu zweit mit ihnen „gefeiert“. So habe ich zum Beispiel versucht, das ganze bestmöglich zu kompensieren.“

Lara: „Partys, Konzerte, Open Airs und gemeinsame Urlaube sind momentan gar nicht zu kompensieren, aber der Aufbau von Beziehungen über Face-Time ist doch bedingt möglich.“

Hannah: „Vieles hat man auch schon vor Corona erlebt und erlebt man hoffentlich auch noch nach Corona. Natürlich ist man in dem Alter, wo diese Aspekte nun besonders interessant für einen werden. Als im Sommer die Maßnahmen gelockert wurden, konnte man diese Dinge auch auf eine andere Art erleben, das hat einem erst einmal gezeigt, wie man manche Sachen schätzen kann und wie das Leben auch auf verschiedenste Methoden zu genießen ist. Jetzt zum Winter hin, ist es aufgrund von den reichlichen Festtagen auch noch aus einer anderen Sicht schwer, Leben zu gestalten. Aber ich bin mir sicher, wenn alle so mitziehen, wie man es tun sollte, können wir im nächsten Jahr wieder da anfangen, wo wir aufgehört haben und auch die Weihnachtszeit, so wie wir sie kennen, feiern.“

 

Frage 8
Sonstiges – habe ich etwas sehr Wichtiges vergessen, etwas, dass ihr noch unbedingt loswerden müsst?

Pia-Laura: „Ich habe eine Bitte, seid vernünftig und haltet euch an die Regeln!! Durch die Beschränkungen sterben Menschen aus Einsamkeit, weil man nicht zu ihnen darf, sie nicht sehen darf, außer durch eine Glasscheibe. Und währenddessen feiert ihr mit 7 Leuten Partys und es interessiert euch kein bisschen, dass ihr das Coronavirus weiterverbreitet, weil irgendwer von euch es ohne Symptome hat. Dann geht ihr nach Hause, steckt eure Familie an und die gehen zur Arbeit. Und jetzt stellt euch nur mal vor, eure Oma oder euer Opa muss ins Krankenhaus. Ihr dürft sie/ihn nicht sehen, nicht besuchen und er/sie stirbt in Einsamkeit, weil ihr die Beschränkungen nicht einhalten wolltet. Vielleicht sind nicht alle Regeln für euch nachvollziehbar, für mich auch nicht, sie sind nervig und anstrengend, aber je mehr wir uns daran halten, desto schneller werden die Beschränkungen auch wieder aufgehoben!!!“

Lea: „Corona ist scheiße, aber ich versuche das Beste daraus zu machen.“

Jan-Eric: „Um das Gefühl loszuwerden, dass man „eingesperrt“ ist, empfehle ich jedem an seine Mitmenschen zu denken, und als Gemeinschaft zu handeln. Ohne dass wir alle zusammenhalten wird es das, was wir uns wünschen, auch in Zukunft nicht geben.“

Hannah: „Ich hoffe, dass alle sich an die gegebenen Regeln, soweit es geht halten, sodass wir uns gemeinsam im nächsten Jahr topfit in die Rückrunde stürzen und die Saison vernünftig zu Ende ausspielen können.“

 

Das Fazit

Ursprünglich hatte ich geplant, den Mädels und Jungs ein paar Fragen zu stellen, einen kurzen Bericht darüber zu verfassen und diesen dann schnell zu veröffentlichen, um eventuell eine Diskussion anzuschieben. Jetzt, nachdem ich alle Fragen, die ich den sechsen gestellt habe und alle Antworten zurückbekommen habe, bin ich davon abgerückt, dieses Thema schnell abzuharken! Ich finde diese Aussagen so dermaßen ausdrucksstark, dass ich mich dazu entschlossen habe, keine einzige Antwort zu „verschlucken“, sondern alle genauso widerzugeben, wie sie mir vorgelegt wurden. 

Ich möchte mich im Namen aller sehr herzlich dafür bei Pia-Laura, Lea, Hannah, Lara, Jan-Eric und Thies bedanken, dass sie so offen über sich und die Probleme der Jugendlichen berichtet haben und bin mir sicher, dass diese Aussagen von vielen Gleichaltrigen und auch den jüngeren Jahrgängen in vielen Bereichen geteilt werden.

Eine Diskussion darüber, wie wir Erwachsenen auf unseren Nachwuchs zugehen sollten, darüber könnten diese Aussagen sehr hilfreich sein. Sie, unsere Kinder sind es, denen nicht nur die nahe Zukunft wichtig ist und wir (die Politik) sind es, die darüber entscheiden, wie diese Zukunft aussehen soll. Bei großen Entscheidungen sollten wir unseren Nachwuchs immer mit einbeziehen, das sind wir ihnen schuldig!